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Künstler

Wolfgang Borchert Theater - "Viel Theater auf der Medienwand"

Viel Theater auf der Medienwand

Mit einer bunten Auswahl an theatralen Miniszenen präsentieren sich die SchauspielerInnen des Wolfgang Borchert Theaters erstmals auf der Medienwand. Die Idee eines gemeinsamen Projekts mit der Fachhochschule Münster entstand Ende der letzten Spielzeit. Gleich das erste Brainstorming entfachte eine wuchtige Ideen-Welle im Ensemble. Schon lange liebäugelte man mit der Wand als dramatische Kunstfläche, zumal diese sich in unmittelbarer Nähe des Theaters befindet. Ein erstes Treffen zwischen WBT-Chef Meinhard Zanger und Professor Nowotsch ergab: Theater und Medienwand bieten faszinierende Schnittstellen, die genutzt werden wollen.

Das Motto: Lust am Spiel und Mut zu Phantasie. Eine erste Filmserie wurde im Saal des Theaters, eine weitere im Magazin aufgenommen. Hier entstanden in der Spielfläche des Schauspiels "Pétit Albert", dem Speisesaal einer Irrenanstalt, die ideale Kulisse für kleine Einlagen des Schauspielers Florian Bender, der dort sonst als Insasse Tom auf der Bühne steht. Verwegen flirtet er, mit weiß geschminktem Gesicht, mit den Zuschauern und scheint so direkt mit den Fußgängern zu korrespondieren. Werkstattleiter Manfred Börgel sorgte mit einer Flex für zauberhaften Funkenflug.

Unter der Regie von WBT-Intendant Meinhard Zanger, der eigens für die Wand New Yorker Großstadtimpressionen einfing, ging man noch einen Schritt weiter: Im Filmstudio des Fachbereichs Design wagten sich Florian Bender, Saskia Boden und Sven Heiß vor den Greenscreen. Vor dem atemberaubenden Hintergrund der New Yorker Skyline entwickelten sich so humorvolle, spielwütige Miniaturen. Fliegende Schauspieler, die tollkühn durch die Lüfte schweben. Pause in luftiger Höhe vor dem Empire State Building. Sprünge von Hochhaus zu Hochhaus: Die moderne Filmtechnik macht's möglich. Mit der Bespielung der Wand durch das Borchert-Theater sehen die Zuschauer erstmalig großflächige menschliche Gesten, Blicke und Bewegungen auf der Wand. Mit verblüffenden Wendungen und szenischen Überraschungen möchte das Theater den Zuschauern Lust am Spiel, Zauber der Verwandlung und die Faszination von Gestik und Mimik präsentieren — witzig, energiegeladen und zauberhaft.

www.wolfgang-borchert-theater.de


Martina Lückener - "Schattenschnitte"

"Licht bedingt den Schatten und Schatten kommt aus dem Licht." Dieser Satz umreißt die Philosophie der Künstlerin Martina Lückener. Sie will mit ihren Arbeiten, die sie "Schattenschnitte" nennt "Sichtbar machen, was im Schatten liegt."
"Ob Schattenbilder von Menschen, Tieren oder Pflanzen - klar und prägnant gestaltet ziehen ihre schwarzen Flächenfiguren die Aufmerksamkeit auf sich und eröffnen durch Abweichungen von vertrauten Sehmustern eine neue Perspektive; mal verkürzt, mal lang gezogen oder sich überschneidend suchen sie das Hintergründige in dem, was auf den ersten Blick einfach erscheint, bringen auf ungewöhnliche Weise Unbekanntes ans Licht. Das Wechselspiel von Licht und Schatten bestimmt die gesamte Arbeit der Künstlerin. Dabei gelingt es ihr immer wieder, mit einer so eigenwilligen wie einfühlsamen Ästhetik das sichtbar zu machen, was heute allzu oft im Schatten liegt: einen von allen Äußerlichkeiten befreiten Kern."
(Aus einem Text von Jutta Morrien, 2008)

Die Arbeiten von Martina Lückener umfassen sowohl die Schatten- oder Scherenschnitte, Malerei und Fotografie wie auch Holzschnitte und Malerei. Neben zahlreichen Ausstellungen hat die Künstlerin auch Arbeiten im öffentlichen Raum realisieren können, vielen Bürgern in Münster dürfte ihre großflächige Fassadengestaltung an den Wänden des JIB an der Hafenstrasse bekannt sein, die dort mit prägnanten Formgebungen in blau und weiß das Straßenbild bestimmt.

Martina Lückeners Biographie Download


Malte Spindler - "Münsterland Entsorgung"

Malte Spindler, (*1986) nach Berlin ausgewanderter Designer und Fotograf, hat am FB Design der FH Münster studiert und ist jetzt freiberuflich als Fotograf, Organisator und Autor tätig. Eine seiner letzten Arbeiten war, in Kooperation mit seinem Bruder Urs, die auch im Internet gezeigte Foto und Textdokumentation „Die Träume der Generation Mauerfall“.

Seine auf der Medienwand vorgestellte Arbeit „Münsterland Entsorgung“ besteht aus drei fotografischen Reihungen:

1 „Klinker, kein Himmel“
2 „Times are changing“
3 „Münsterland Entsorgung“

Diese Serien sind Auszüge aus dem jetzt veröffentlichten Langzeitprojekt „Münsters Straßen“ (2007-2010), sie zeigen die stetigen Veränderungen eines Stadtbildes im Detail, mit all ihren Absonderlichkeiten, ihrer Komik - aber auch gefühlten und realen Verlusten von Identität.

Malte Spindlers Biographie Download


Martina Wolf

Die Foto- und Videokünstlerin Martina Wolf (*1967) hat an der Universität Rostock Grafik sowie an der Kunstakademie Dresden Neue Medien studiert. 2005 hat sie ihre Ausbildung als Meisterschülerin bei Lutz Dammbeck an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste abgeschlossen. Für ihre konzeptuelle Arbeit hat Wolf bereits verschiedene Stipendien und Preise erhalten, unter anderem den Penta-Park-Fotopreis und das Internationale Künstleraustauschprogramm Columbus / USA der Stadt Dresden, ein DAAD-Stipendium Paris sowie Arbeitsstipendien der Kulturstiftungen der Dresdner Bank und der DEFA. Im Jahr 2009 arbeitete Martina Wolf in Moskau im Rahmen des erstmals für diesen Standort ausgeschriebenen Reisestipendiums der Hessischen Kulturstiftung.

Ihre in Münster gezeigten Videoarbeiten greifen ebenfalls Ereignisse im urbanen Raum auf, dabei spielt der Zeitfaktor eine wichtige Rolle, alle Filme arbeiten mit Ausschnitten aus der uns umgebenden Alltagswelt ohne besondere Eingriffe durch Schnitte. Sachte und mit großer Beobachtungsgabe lässt die Künstlerin kleinen und großen Ereignissen ihren Lauf und dokumentiert die permanent wechselnden Licht- und Bewegungsabläufe in genau gesetzten Bildausschnitten mit ihrer Kamera. Dabei entstehen überraschende, kammermusikalische Videostücke von hohem Reiz, die auch Bezüge zu Politik- oder Mediengeschichte ziehen, wie etwa bei der Arbeit „Treppe“, mit ihrem visuellen Verweis auf das filmische Meisterwerk „Panzerkreuzer Potemkin“ von Sergej Eisenstein. Das Video „Fahrstuhl“ überträgt einen dynamischen Bewegungsablauf mit Sichten auf Architektur und Stadtbild von einem Ort auf einen anderen und nutzt gleichzeitig perfekt die Möglichkeiten der Medienwand.

Insgesamt werden von Martina Wolf in dieser Sommerspielzeit fünf Arbeiten zu sehen sein. Im Video „Studiehaus“ übernimmt die Umwelt die Bildregie: in vom Wind bewegten Fensterflügeln verändern sich durch Spiegelungen die Blickperspektiven. „Regen“ verwischt spontan die Geometrie langweiliger Hausfassaden, in „SPB-Lenin“ verschwindet, auch politisch interpretierbar, eine Leninstatue durch eine plötzlich aufsprudelnde Wasserfontäne aus dem Blickfeld.

Martina Wolfs Biographie Download